Schulaustauschprogramm der KSL
mit der Boyar-High-School Jerusalem

 

Seit 1999 besteht ein reger Schulaustausch mit Israel und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Jerusalemer Stadtverwaltung, die unseren Austausch mit der Gilo-High-School, bzw. nun mit der Boyer-High-School koordiniert.

Der Austausch sieht vor, dass die Schüler beider Länder sich für ca. 4 Wochen begegnen; davon jeweils 14 Tage in Berlin und auch für 14 Tage in Jerusalem. Die Unterbringung erfolgt in den Familien der am Programm teilnehmenden Schüler und Schülerinnen.

Ein begleitendes thematisches Programm ermöglicht das jeweilige Gastland in vielen Facetten kennen zu lernen. Dies schließt Politik, Kultur, Gesellschaft, Religion und Geschichte ein.

Bis auf wenige Unterbrechungen, die v.a. der 2. Intifada geschuldet waren, konnte der Austausch in fast jedem Jahr durchgeführt werden. 2003 war sogar eine Lehrerdelegation zu Gast bei unseren Partnern in Jerusalem.

Die Rückmeldungen der am Austausch beteiligten Teilnehmer belegen den großen Gewinn für den christlich-jüdischen Dialog, bzw. für die deutsch-israelische Verständigung.
Das kann auch daran abgelesen werden, dass viele am Austausch beteiligte Schüler - auch der ersten Jahre - noch gute Kontakte nach Israel haben und sich oft auf eigene Initiative in Israel oder in Deutschland wieder sehen.

Berlin, den 23.2.2009

Michael Brinkhoff
Koordinator Schulaustausch mit Israel


 Bilder vom Jugendaustausch aus Israel


Ein Bericht von 2014

Israel – Schüleraustausch 2014

Von dem 7. bis zum 19. Oktober haben die Schüler der Katholischen Schule Liebfrauen israelische Schülerinnen und Schüler in Berlin willkommen geheißen. In diesen zwei Wochen brachten wir der israelischen Delegation die Hauptstadt Deutschlands näher. Dies gelang durch ein vielseitiges Programm, welches Geschichte, Kultur und Politik beinhaltete,  bei welchem jedoch Spaß, Spiel und Freizeit nicht zu knapp kamen.

Das Flugzeug aus Israel landete am 7. Oktober gegen 11 Uhr in Berlin-Schönefeld wo wir unsere Gäste zukünftigen Mitbewohner empfingen. Da sie einen langen Flug hinter sich hatten und viele von ihnen in der Nacht kein Auge zu getan haben,  fand an diesem ersten Tag kein aufwendiges Programm mehr statt.
Stattdessen brachten wir den Austauschschülern ihr neues Zuhause auf Zeit nahe und ließen sie am Abend früh schlafen gehen in der Vorfreude auf die kommenden Tage.
Der erste richtige Tag startete mit einer Willkommenheißung von unserer Schulleitung Frau Wehr. Zudem sang unser Schulchor ein Hebräisches Lied, welches zuvor von jüngeren Schülern unserer Schule instrumental und mit Tanz aufgeführt wurde.

Während die Berliner anschließend einen Schultag vor sich hatten, erwartete die Israelis eine Führung im Bundeskanzleramt, mit anschließender Sightseeing Tour durch Berlin. Den Berichten nach ein sehr interessanter, eindrucksvoller Tag für unsere Austauschschüler. Dass wir diesen ersten Tag er abends mit unseren Gästen genießen konnten, wurde durch die folgten 2 Tage, in welchen wir durchgehend Zeit miteinander verbrachten, wieder ausgeglichen.

Um uns gegenseitig noch besser kennenlernen zu können, fuhren wir Donnerstagmorgen mit dem Zug in den Spreewald. Dort angekommen, wurden wir mit warmem Mittagessen verpflegt, bevor wir, zur Freude aller, eine Kanutour machten. In der Zeit davor nutzen wir das Gelände unserer Jugendherberge zum Volleyball und Fußball spielen und zur Erkundung der Umgebung. Um den Weg zu den Kanus nicht laufen zu müssen, holte uns eine ‚Bimmelbahn’ ab. Darüber freuten sich die Israelis und Deutsche gleichermaßen.
Die Kanutour war, wie vorhergesehen, ein Highlight für alle. Obwohl die üblichen Kenterungen nicht ausblieben, kamen wir alle wohlbehalten und fröhlich an Land an und waren nochmals froh, die Arbeit der ‚Bimmelbahn’ in Anspruch nehmen zu dürfen. Den schönen doch Kräfte zehrenden Tag beendeten wir mit einem gemütlichen Barbecue, bevor wir in die Betten unserer sehr ordentlichen Jugendherberge sanken.

Nach dem Frühstück wanderten wir eine knappe Stunde durch die ländliche Umgebung zu einem Labyrinth aus Hecken. Diejenigen, die am schnellsten den richtigen Weg durch den Irrgarten fanden, konnten anschließend von einem Aussichtsturm die noch Suchenden Schüler beobachten und ihnen Tipps geben. Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Berlin, wo wir um 18 Uhr ankamen.

Das Wochenende verbrachten unsere Gäste in ihren Gastfamilien, um dadurch tiefere Einblicke in das Leben der Gastfamilie zu gewinnen, wobei der Gruppenzusammenhalt der Austauschteilnehmer durch selbstorganisierte Treffen miteinander gestärkt wurde.
Montagmorgen brachen wir zusammen zum Haus der Wannseekonferenz auf. Zwei separate Frührungen in der jeweiligen Landessprache gaben uns einen Einblick in  die mit diesem Haus verbundene Geschichte.

Nach einem stärkenden Mittagessen, teilten wir uns in kleine Gruppen auf und befassten uns in diesen Workshops mit verschiedenen Themen. Da wir das Haus der Wannseekonferenz erst am späten Nachmittag wieder verließen, hatten wir ausreichend Zeit, uns mit der mehr als nur schwierigen Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis in früheren Zeiten zu befassen.

Für die Israelis stand am nächsten Vormittag eine sehr informative Führung durch das Jewish Museum an, die Gruppen schlossen sich erst am Nachmittag zusammen, um dann am frühen Abend zu einer Reichstagsbesichtigung aufzubrechen.
Dort erwartete uns der Politiker Klaus-Dieter Gröhler, der uns zunächst durch das Gebäude führte und uns anschließend in einem beeindruckenden Konferenzraum zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung stand, ein Angebot, das vor allem die Israelis in Anspruch nahmen, bevor alle wieder in ihre (Gast-)Familien zurückkehrten.

Am nächsten Tag machten wir uns mit der Bahn auf den Weg ins KZ Sachsenhausen, wo uns erneut zwei verschiedene, jedoch gleichermaßen bewegende und emotionale Führungen erwarteten. Anschließend schlossen wir uns zusammen und sangen und beteten zur Stärkung unserer Gemeinschaft.
Da die BVG streikte, fuhren wir mit einem gemieteten Bus zurück zur Schule, von wo aus jeder nach Hause fuhr.

Am Donnerstag besuchten die deutschen Schüler den Unterricht, während die israelischen Schüler durch die Kirche Maria Regina Martyrum geführt wurden. Auch diese Führung war für die Israelis sehr eindrucksvoll.
Den Rest des Tages verbrachten wir als Gemeinschaft.

Der Tag vor dem letzten Wochenende in Berlin begann in der Schule, wo die Israelis die Möglichkeit hatten deutschen Unterricht kennenzulernen.
Die darauf folgende Führung durch das Berliner Olympiastadion begeisterte die Israelis.

Eine Abschlussparty mit den Lehrern fand in der Wohnung einer der Gastfamilien statt. Jeder brachte etwas zu essen mit, so dass ein vielseitiges Büffet entstand. Es wurde ausgelassen getanzt, gegessen und Musik gehört.
Um 23 Uhr endete diese Party und wir verbrachten den vorletzten gemeinsamen Abend zusammen in kleinen Gruppen.

Am letzten Wochenende nutzten wir jede Minute für gemeinsame Aktivitäten. Daher verging die Zeit wie im Fluge, bis wir uns Sonntagabend alle am Flughafen Schönefeld einfanden. Keiner wollte sich so recht trennen, es folgten vielfach wiederholte Verabschiedungen und Umarmungen, bis die Israelis schließlich nach einiger Zeit durch eine der vielen Kontrollen von den Berlinern getrennt wurden.

Es war ein sehr intensiver und bewegender Austausch, bei welchem viele Freundschaften geschlossen wurden und so einige bestehende geschichtliche Problematiken und Differenzen entweder durch gezielte Aufarbeitung, aber auch nahezu spielerisch und fast wie von selbst, überwunden wurden. Vorurteile und Unsicherheiten wurden durch das Entdecken von Gemeinsamkeiten, Spaß und Freundschaft  ausgeräumt und am Ende zählte nicht mehr, was einmal war, sondern was ist.


Ein Bericht von 2012

Israel – Austausch 2012

Bericht von: Sophia Linke und Hannah Hoppenz

Als wir das erste Mal von dem Angebot eines Austausches mit einer Schule aus Jerusalem hörten, war für viele von uns schon klar, dass sie auf jeden Fall daran teilnehmen wollen. Dementsprechend groß war auch die Freude bei jedem von uns, als bekannt wurde, wer es geschafft hatte. Es wurden Vorbereitungen getroffen, das Programm für den Aufenthalt hier in Berlin wurde besprochen und die Austauschschüler wurden ausgesucht. Über die Sommerferien bekamen wir dann die Aufgabe, einen ersten Kontakt zu unserem Schüler aufzubauen, was dann auch ausnahmslos funktioniert hat. Deswegen waren die israelischen Gäste bei ihrer sehnlichst erwarteten Ankunft auch keine Fremden mehr. Da beide Seiten sehr offen aufeinander zugingen und auch keiner Hemmungen hatte sich auf Englisch mit jemandem zu unterhalten den man noch nicht kannte, wurden sehr schnell Freundschaften geschlossen und schon am ersten Abend war allen klar, dass innerhalb der nächsten elf Tage eine tolle Gruppengemeinschaft entstehen würde. Der Kontakt beschränkte sich nicht nur auf den eigenen Austauschschüler sondern jeder kam mal mit jedem ins Gespräch.

Schon in den ersten Tagen entstand das Gefühl, man würde sich schon seit Jahren kennen und auch nach dem Ende des offiziellen Programms, wie der Besuch der Kanzleramtes oder der Führung durch das Haus der Wannseekonferenz, unternahm die ganze Gruppe meist noch etwas zusammen.

Der Zusammenhalt in der Gruppe wurde noch einmal ganz besonders durch den Ausflug und das Kanu fahren im Spreewald gestärkt, wo alle den gemeinsamen Abend bis zum letzten Moment auskosteten. Einer der wohl schönsten Augenblicke war das gemeinsame Singen und Gitarre spielen der ganzen Gruppe am Abend. Enttäuscht über die frühe, von der Jugendherberge vorgeschriebene Nachtruhe, gingen wir auf unsere Zimmer.

Auch das Wochenende wurde größtenteils mit der Gruppe verbracht, die Zeit wurde beispielsweise zum gemeinsamen Shoppen und Schwimmen gehen genutzt.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte beinahe jeder ein sehr vertrautes Verhältnis zu seinem oder seiner Austauschpartner/in aufgebaut und auch die letzten Ängste, beim Sprechen eventuell kleine Fehler zu machen waren verschwunden. Man brachte sich gegenseitig Wörter oder kurze Sätze auf Hebräisch beziehungsweise auf Deutsch bei und es waren auch schon längst kleine „Insider“ zwischen Deutschen und Israelis entstanden.

Ein sicherlich für alle sehr einprägsamer und emotionaler Moment war die gemeinsame Zeremonie im Konzentrationslager Sachsenhausen, bei der wohl jedem bewusst wurde, wie besonders es ist, dass Deutsche und Israelis an so einem Ort Arm in Arm miteinander singen können. Es wurden reichlich Tränen vergossen, wodurch jeder Schüler und jeder Lehrer diese wertvolle und außergewöhnliche Beziehung umso mehr zu schätzen wusste.

Auch wenn es teilweise nicht ganz einfach war, die Schule und die Wünsche der Israelischen Gäste unter einen Hut zu bringen, wurde jedem bei der Abschiedsfeier am Mittwochabend bewusst, wie sehr man sich gegenseitig vermissen würde. Durch die dennoch ausgelassene Partystimmung genossen alle den letzten gemeinsamen Abend in vollen Zügen.

Der Abschied am Flughafen am Tag darauf fiel sowohl den deutschen als auch den israelischen Schülern schwer, auch wenn natürlich feststand, dass man bis zum Wiedersehen im März 2013 über Facebook, Skype etc in Kontakt würde bleiben können.

Abschließend lässt sich wohl sagen, dass wir alle sehr dankbar dafür sind, dass wir diese wunderbaren elf Tage erleben durften und die Möglichkeit hatten, all diese tollen Leute kennen zu lernen. Die Vorfreude auf die Reise nach Jerusalem wächst mit jedem Tag.


Ein Bericht von 2011

Welch ein Moment, als wir endlich am Flughafen von Tel Aviv ankamen! Wir waren im „Heiligen Land“ angekommen! Und als uns gleich schon eine orientalische Briese erfasste, waren wir wie verzaubert und sollten von Israel und seinen Bewohnern wahrlich entzückt werden!

Zunächst aber erwartete uns noch ein Wiedertreffen mit unseren israelischen Austausch-partnern. Doch waren diese für uns schon lange keine bloßen Austauschpartner mehr, nein, sie waren für uns zu wahren Freunden geworden, hatten wir doch schon in Berlin eine intensive Zeit mit ihnen verbringen und einander besser kennenlernen können.

Wohl behütet von sorgsamen und zuvorkommenden Gastfamilien, sollten wir einen freien Rücken bekommen, um weiter in die Welt unserer israelischen Freunde einzutauchen und mehr über ihren Lebensstil und ihr Land in Erfahrung zu bringen. Wahrlich dies sollte für uns zu einer unschätzbar wertvollen Zeit werden!

Die verschiedensten Teile Israels bereisend, sei es der Besuch der wunderschönen Küsten-region im Westen von Israel oder eine Fahrt durch die einnehmende Steppenlandschaft im Osten Israels, zog uns dieses Land innerhalb kürzester Zeit in seinen Bann. Auch war es uns möglich, uns der Innenstadt Jerusalems, der „heiligen Stadt“, anzunehmen und ,durch die vielen Gassen schlendernd, uns wie in eine schon längst vergangene Zeit zu versetzen und einfach nur die einmalige Atmosphäre dort zu genießen!

Es war wirklich mitreißend, die Fülle an kulturellem Reichtum in jener Stadt zu entdecken und die Schönheit, die von ihr ausgeht, in Augenschein zu nehmen. Denn: Jerusalem ist eine Stadt, die gar im Schein der Sonne zu glänzen und schimmern scheint! Aber bedeutete uns vor allem der Besuch der Klagemauer besonders viel, wurde sie doch für uns zu einem Ort, an welchem wir einkehren und so neue Kraft schöpfen konnten für unsere übrige Reise, die uns noch bevorstand. Ja, wir wurden uns des spirituellen Wertes der Klagemauer bewusst und fühlten uns dort im gemeinsamen Gebet mit unseren jüdischen Glaubensbrüdern verbunden.

Jedoch waren es nicht nur die vielen Monumente, fantastischen Naturerscheinungen und kulinarischen Genüsslichkeiten, die unsere Reise verfeinerten und uns alle um eine schmackhafte Erfahrung reicher machten( Humus, Falafel und andere Köstlichkeiten seien an dieser Stelle genannt ), sondern noch etwas anderes, was uns auf unserer Fahrt besonders begeisterte.

Es waren die vielen, vielen Menschen, denen wir auf unserer Reise durch Israel begegnen durften!

Erst sie waren es, die uns eine solch unvergleichliche Zeit in Israel bescherten und unsere Fahrt zu etwas solch Besonderem und Wunderbaren machten, so sehr sogar, dass sicherlich ein jeder von uns am liebsten jene Fahrt noch einmal angetreten wäre!

Ja sie zeigten uns ihre Kultur, ihr Land und ihr Leben! Ließen uns weiter in ihre Welt eintauchen und eröffneten uns die Möglichkeit, verschiedenste Eindrücke zu sammeln! Und es war einfach nur ergreifend wie sehr sie für uns zu innigen Vertrauten wurden!

Zweifellos haben die Menschen dort eine schwere Situation zu bewältigen, doch das, was wir dort sehen und kennenlernen durften, stimmt uns zuversichtlich, dass gerade diese Menschen und diese Generation von Jugendlichen in Israel, die so sehr auf Frieden pochen, ihre Bestrebung in die Welt hinaustragen können. Und wir sind überzeugt, dass ganz besonders auch solche Projekte, von welchem auch wir Teil werden durften, einen großen Beitrag dazu leisten, gerade diesen Bemühungen eine Zukunft zu geben. Können doch so Menschen aufeinander zugehen und gemeinsam ins Gespräch kommen.

So war für uns die Zeit in Israel ungeheuer beflügelnd und brachte uns vor allem viele Menschen, die wir in unsere Herzen schließen konnten! Deshalb möchten wir vor allem denen Dank sagen, die uns eine solch unvergleichliche Erfahrung möglich machten, und insbesondere auch den Lehrern, die uns auf dieser Reise begleiteten und unterstützten!

Darum ein ganz großes: Toda Raba und Vielen Dank! 


Ein Bericht von 2010

Als unsere Lehrer uns fragten, wer von uns eventuell einen kleinen, persönlichen Text über den Israelaustausch 2010 schreiben möchte, meldete ich mich sofort. Ich war mir sicher, dass es leicht werden würde, ein paar Zeilen darüber zu schreiben. Doch nun sitze ich hier und frage mich, wie ich eigentlich anfangen soll. Ich habe noch nie in einer so kurzen Zeit so viele schöne, interessante und vor allem lustige Dinge mit doch eigentlich so fremden Menschen erlebt.

Gleich am ersten Tag, als die deutschen Austauschschüler, die Israelis am Flughafen erwarteten, merkte ich erst, wie aufgeregt alle waren. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, so herzlich von unseren Austauschschülern begrüßt zu werden. Schon nach der ersten Umarmung war die Hemmschwelle überschritten. Die Israelis waren einfach ein unglaublich aufgeschlossenes Völkchen und bereiteten uns eine Menge Spaß. Auch wenn wir in Deutschland waren, lernten wir eine völlig neue Kultur und Lebensart kennen. Wir amüsierten uns jeden Tag aufs Neue – egal ob es beim Kajak-Fahren im Spreewald war, oder beim Shoppen auf dem Kudamm, oder beim einfachen Grillabend mit anschließender Musikunterhaltung der Israelis. Wir hatten einfach immer was zu lachen! Und selbst wenn wir uns auf den Weg nach Sachsenhausen ins KZ machten, waren unsere Israelischen Freunde immer für uns da. Vielen, vor allem den Deutschen, viel dieser Weg sehr schwer und viele waren emotional mitgenommen. Als wir eine kleine Zeremonie zusammen abhielten, um ein Zeichen zu setzten und um an all die Opfer des Holocaust zu denken, nahmen uns die Israelis in die Arme und vermittelten uns ein unbeschreibar schönes Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Es war einfach ein schönes Erlebnis, diesen Menschen zu begegnen. Nicht nur wir konnten ihnen ein völlig fremdes Land und eine völlig fremde Kultur näher bringen, sondern auch sie haben uns in diesen 10 Tagen so viel gegeben. Wir sind zu einer Gemeinschaft geworden, haben uns auf einer völlig anderen Sprache verständigt und so viel miteinander erlebt, dass es uns am Ende mehr als nur schwer fiel, uns von unseren grad neugewonnen Freunden zu verabschieden. Das Einzige, was uns hier ein wenig tröstete, war der Gedanke, dass wir uns in gut einem Monat wieder sehen würden. Nun standen wir alle am Flughafen - 10 wunderschöne Tage hinter uns gelassen. Es war an der Zeit ein letztes Foto von der ganzen Gruppe zu schießen, bis wir uns dann alle in die Arme schlossen und unseren Austauschschülern „Auf Wiedersehen“ sagten.

Es war ehrlich gesagt etwas schwer, den Flughafen zu verlassen, in den Unterricht zu gehen und so zu tun als wäre alles in bester Ordnung. Denn das, was wir erleben DURFTEN, war einfach unglaublich und unbeschreiblich schön. Wir haben so viel mitgenommen und so viel dazugelernt. Dieser Austausch wird uns denke ich allen IMMER in Erinnerung bleiben. Der Gedanke und die Freude, bald in das Flugzeug nach Israel steigen zu dürfen und unsere israelischen Freunde wieder in den Arm schließen zu können, lässt all die Sorgen über die bevorstehenden Klausuren verschwinden und zaubert uns allen ein Lächeln auf die Lippen.

SHALOM und vielen Dank für dieses Erlebnis!


Ein Bericht von 2009

Als Herr Brinkhoff in unsere Klasse kam, um zu fragen, wer beim Israelaustausch mitmachen wolle und sich flugs darauf viele aufgeregt meldeten, konnte niemand von uns ahnen, dass denjenigen, denen diese einmalige Chance zuteil wurde, ein ungemein bedeutsames und unvergessliches Erlebnis bevorstehen würde.

Bei Israel fällt einem zuerst die heilige Stadt Jerusalem, der palästinensisch-israelische Konflikt und das Tote Meer ein.
Dass Israel aber vielmehr zu bieten hat, das durften wir erfahren!
Doch zuvor kamen unsere israelischen Austauschschüler zu uns nach Berlin, in die Hauptstadt Deutschlands! Neben großer Vorfreude waren wir uns unserer Aufgabe bewusst, das offene, demokratische und menschenfreundliche Deutschland zu zeigen. Denn bei allem Spaß und all den guten Erfahrungen, waren wir uns im Klaren, dass die Israelis mit großen Erwartungen nach Deutschland kamen, in ein Land, indem ihre Vorfahren in der Shoa umgekommen sind. Dass Deutschland und seine Menschen sich gewandelt haben, dieses wollten wir zeigen und haben es hoffentlich auch geschafft.

Den Moment am Flughafen als unsere Gastgeschwister aus der Abfertigungshalle kamen und wir mit lauten Rufen und Winken unserer eigens mitgebrachten Israelfähnchen auf sie zurannten, um sie zu begrüßen, werde ich nie vergessen: Der Moment des persönlichen Kennenlernens war endlich gekommen! Dass wir uns alle auf Anhieb mit unseren Austauschpartnern sehr gut verstanden, war wunderbar, eine einmalige Voraussetzung für die Tage, die uns nun bevorstanden.

Wir haben viel unternommen, wir haben viel gesehen, wir haben viel erlebt, aber vor allem sind wir ganz schnell und wie selbstverständlich zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Eine Gemeinschaft, die zusammen im Spreewald in den Kanus darum kämpfte nicht zu kentern, die trotz jüdischer Essvorschriften zusammen grillte. Eine Gruppe, die sich außerhalb des Programms traf, um zusammen zu essen, zu tanzen oder shoppen zu gehen.

Dass diese Gruppe so stark zusammengewachsen war, hat es uns allen leichter gemacht, uns mit unserer gemeinsamen Vergangenheit auseinander zusetzen.
Im Haus der Wannseekonferenz arbeiteten wir die Grauen des 2. Weltkrieges gemeinsam auf. Dabei haben wir gelernt, dass wir nicht nur zusammen lachen und Spaß haben können, sondern, dass es auch möglich ist, zusammen zu trauern und zu weinen.
Dass wir Deutschen auch sehr betroffen waren, zeigte den Israelis unsere Aufrichtigkeit. Die Trauer, die wir mit dem 2. Weltkrieg und der Shoa verbanden, bekam nun auch noch konkrete Bilder in Form unserer Freunde und ihrer Schicksale, bzw. die ihrer Familien. Eine Bürde, die sie und die wir zu tragen haben, die wir aber gemeinsam zu tragen gelernt haben.
Den Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der Shoa erlebten wir in einer Gedenkfeier im KZ Sachsenhausen, die von uns allen gemeinsam vorbereitet wurde und ebenfalls sehr emotional war.
Aber so schwer es auch war, so notwendig ist es, sich auseinanderzusetzen, um vorzubeugen. Dass wir dazu alle bereit waren und es uns gut gelungen ist, spricht für unsere starke Gemeinschaft.

Um Israel und dem Judentum näher zu kommen, luden die Israelis uns zu einer gemeinsamen Shabbat-Feier ein. Im Gegenzug nahmen unsere Freunde an dem Abschlussgottesdienst in St. Kamillus teil.

Was uns den ganzen Aufenthalt in Deutschland begleitet hatte, war das Gefühl, das wir etwas Besonderes erleben, dass wir mit besonderen Menschen zusammen sind. Dieses Gefühl war echt und unbeschreiblich schön.
Es war das gleiche Gefühl als wir in Tel Aviv landeten, als wir endlich in dem Land ankamen, über das wir schon soviel nachgedacht hatten!

Es ist tatsächlich kaum zu beschreiben, wie sich diese zwei Wochen nachhaltig in unsere Gedächtnisse eingeprägt haben: Das Wiedersehen mit unseren israelischen Freunden, die Besichtigung so vieler heiliger Stätten, der Lebensgeist Israels. Auf uns strömten in kürzester Zeit tausende von fantastischen Eindrücken ein, die bei mir, jedes Mal, wenn ich daran denke, ein Lächeln auf die Lippen zaubern.
Die Altstadt Jerusalems mit den verschiedenen Vierteln, der Grabeskirche und der Klagemauer, in der auch wir ein Stück Hoffnung hinterließen, Nordisrael mit dem See Genezareth, den Kirchen, die die Orte der Bergpredigt und Brot- und Fischvermehrung Jesu darstellen, die Wüste Israels und das Tote Meer, in dem wir uns, obligatorisch mit einer Zeitung fotografieren ließen, sind nur einige Schauplätze, die wir sahen.

Was mindestens genauso eindrucksvoll war, waren unsere Gastfamilien und ihre grenzenlose Gastfreundschaft, die uns zuteil wurde. Uns empfing sogleich zu Beginn eine Herzlichkeit und Wärme, die uns sofort alle ins Herz schließen ließ. Was auch am wunderbaren Essen der Israelis lag, das ja aus allen Teilen der Welt stammte, so wie sie selbst.
Mit den Familienangehörigen wurde sehr viel geredet und gelacht, gefeiert und erlebt. Denn die Israelis wollten nun uns zeigen, dass Israel oft in den Medien falsch dargestellt wird und in Wirklichkeit ein anderes Land ist.
Dass das gelungen ist, liegt nicht nur an den Bemühungen der Familien, sondern an Israel selbst: Es hat ein Flair, es vermittelt ein Lebensgefühl, welches so ehrlich und rein ist, welches einen das Land einfach nur lieben lässt.

Aber auch hier war die gemeinsame Vergangenheit so präsent, wie sonst kaum. Mit dem Holocaustmuseum Yad Vashem durften wir Deutschen das wohl beste Museum zum Thema Holocaust, das es auf der Welt gibt, besuchen. Was hier auffiel und einen starken Eindruck hinterließ, waren die Schicksale einzelner, war die Fotogedenkhalle und das Denkmal für die ermordeten jüdischen Kinder. Diese bedrückende Stimmung, die uns seit dem Eintritt in das Museum begleitete, wurde von einer Zeitzeugin und Überlebenden aus Theresienstadt aufgelockert. Sie hat von ihren persönlichen Erlebnissen während des zweiten Weltkrieges erzählt und das auf so eine liebenswerte und unverbitterte Art, die sie uns alle sofort ungemein sympathisch machte.

Wir haben sehr viel erlebt in Israel und noch mehr mit den Israelis, in Berlin und in Israel. Wir haben Freunde gefunden, Freunde die nach dem tränenreichen Abschied nicht verschwinden, sondern uns noch weiterbegleiten werden. Wir haben die Ehre bekommen, Deutschland in Israel repräsentieren zu dürfen, wir durften erfahren, dass wir und Deutschland überall positiv aufgenommen wurden.
Ich glaube ich spreche im Namen aller, wenn ich sage, dass der deutsch- israelische Austausch etwas ganz Besonderes war, etwas Unvergessliches, auf dessen Teilnahme wir stolz sein dürfen aber vor allem auch dankbar!

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